Good night, beziehungsweise good luck.

Schlafmangel ist nicht nur das neue Schwarz (Augenringe!), Schlafmangel ist auch das falsche Wort, beziehungsweise nicht ganz das richtige, beziehungsweise schon das Resultat von dem, was ich meine. Ich seh schon, man sieht schon. Wie sich klar ausdrücken, wenn man viel zu wenig Schlaf bekommt, da fallen den Sätzen die schweren Lider, beziehungsweise die Buchstaben, von den Satzzeichen möchte ich gar nicht reden, ach. Es mangelt mir nicht etwa an Schlaf, weil ich mir gutgelaunt die Nächte um die Ohren schlage, beziehungsweise tue ich natürlich genau das, aber halt nicht gutgelaunt. Beziehungsweise halt nicht so. Dann wäre ich selbst schuld, könnte tagsüber belustigt gähnen, und mich am Wochenende mal so richtig ausschlafen. Ich aber mutiere gerade völlig grundlos zum Zombie, und daran bin ich ausnahmsweise mal nicht selbst schuld, ich kann nichts dafür, ich schwöre ich hab überhaupt nichts gemacht!

Damit bin ich nicht alleine. Offenbar kann zur Zeit niemand mehr schlafen, einschlafen oder gar durchschlafen, wobei natürlich das eine das andere, dings. Nicht schlafen is the newest, the latest, it's it. Nicht schlafen können ist derart in, alle anderen ins können sich schonmal verschämt auf den Weg nach hinter Traunstein machen, denkt dran, ihr habt es hier zuerst gehört. Wer dieses Frühjahr/Sommer noch behauptet, er schlafe wie ein Baby, der darf sich FREAK aufs T-Shirt drucken und gleich auch noch zugeben, zuhause keinen Rechner zu besitzen, schliesslich starre man ja schon die ganze Woche im Büro undsoweiter, die Verteidigung ruht, Euer Ehren, die Verteidigung ist müde. Ausserdem gehört das mit dem Rechner in einen anderen Text, ich bin so müde, ich hab mich vertan. Und überhaupt schlafen Babies gar nicht wie Babies, Babies plärren die ganze Nacht.

 

Ich habe schon fast alles versucht. Früh ins Bett, spät ins Bett, überhaupt nicht ins Bett, mit Alkohol, ohne Alkohol, mit viel Alkohol, mit wenig Alkohol, mit anderem Alkohol, mit Schlaftee, mit Badewanne, von heisser Milch wird mir schlecht, Sport am Abend, Wärmflasche, Baldrian. Mir ist klar, dass ich statt Baldrian auch M&Ms schlucken könnte, aber richtige Schlaftabletten machen mir Angst. Was, wenn ich nicht mehr aufwache? So war es dann ja auch wieder nicht gemeint. Man darf Baldrian übrigens nicht im Liegen einnehmen. Baldrian nicht im Liegen einnehmen, Baldrian nicht im Liegen einnehmen, Baldrian nicht im Liegen einnehmen, da müsste doch was gehen, verdammt. Viel Wein im Kopf scheint erstmal die beste Lösung, wer hätte das gedacht. Man schläft ein wie ein Baby und ich weiss sehr wohl, dass ich da oben noch behauptete, Babies würden nicht schlafen. Na und? Ich bin halt müde. Leider ist das, was folgt mitnichten Schlaf, das ist bestenfalls Flatrate-Schlafen, am nächsten Morgen kann man sich im Spiegel ansehen, wie ein gerade aufgewachter Komapatient aussieht. Nicht so hübsch. Wärmflaschen klingen zunächst gut, tragen aber oft ein Polyester-Plüschtier-Outfit. Möchte ich eine Plüschtierkuh auf meinem nackten Bauch haben, möchte ich gar mit einem kalten Plüschtier, 50% Polyester, 50% Plastik, im Bett aufwachen? Igitt. An meiner Schlafposition liegt es auch nicht, und wenn, dann hilft mir das nicht. Ich kann beziehungsweise konnte schon immer nur als halber Embryo einschlafen, warum schreibe ich eigentlich dauernd "beziehungsweise"? Weil ich zu müde bin, um mich klar auszudrücken, darum. Auf dem Rücken liegend bekomme ich Alpträume, noch nie habe ich verstanden, wie man so schlafen kann, am Ende noch mit den Armen über dem Kopf. Wer sich derart schutzlos der Nacht ausliefert, der kann nicht mehr alle beisammen haben. Ich sage nicht, dass die Nacht böse ist. Ich sage nur.

 

Doch, sag ich schon. Die Nacht ist böse, und zwar so gegen 4:00 Uhr. Wer jemals um 4:00 Uhr wachlag, und offensichtlich sind das alle, der weiss, wovon ich rede, was red ich eigentlich noch. "Wee small hours of the morning" nennt der Amerikaner diese Nachtzeit, und hat mal wieder keine Ahnung, wovon er spricht. Wee, small, haha. Nie werden Dinge grösser und furchteinflössender als zu dieser Stunde, ich war schon desöfteren überzeugt, dass am nächsten Tag sowieso meine Welt über mir zusammenstürzt, nur, weil ich keine Milch mehr im Kühlschrank hatte. Gerade fällt mir auf, dass dann immerhin endlich alles wirklich scheissegal wäre, auch das mit der Milch. Es bliebe wohl kaum Zeit für einen Kaffee, wenn die Welt sich mal zum Absturz entschlossen hat. Sollte es ganz schlimm werden, so sagt man mir, soll ich einfach an etwas Schönes denken, wie beim Zahnarzt. Wie beim Zahnarzt, vielen Dank auch, kann ich mir gleich die nächste Angst für heute Nacht einpacken. An Weihnachten zum Beispiel soll ich denken, oder an süsse Hunde, an Disneyland, oder an süsse Hunde mit rosa Schleifchen in Disneyland. Weihnachten, Hündchen, igitt. Lieber hätte ich Besuch von ein, zwei Gespenstern, als mir zu dieser Stunde meine Probleme in THX Lautstärke anhören zu müssen. Einmal im Monat kommen die Höllenstunden mit Bonusmaterial, dem Vollmond. Um drei Uhr hat er es soweit über den Himmel geschafft, dass er zentriert in meinem Dachfenster steht, ich nehme an, das Runde muss auch am Firmament ins Eckige. Da steht er dann, wie eine alte Discokugel, die ihren Glitter über die Jahre verloren hat und spotlightet mein Schlafzimmer. Ich will aber nicht tanzen, verdammt.

 

Nicht alleine ins Bett gehen macht die Sache übrigens auch nicht einfacher, beziehungsweise nur manchmal, ich sage nur ein Wort: Löffelchen. Hübscher Ausdruck, passt wie wie Löffelchen an Löffelchen im Besteckkasten, aha, heisst deshalb wohl auch im Englischen so, "spooning" nämlich. Englisch kann ich auch müde, aber was hab ich davon. Offensichtlich hat die ganze Welt ordentlichere Besteckschubläden als ich, meine Löffelchen fliegen einfach so herum, die Löffel übrigens auch, obwohl man von einem ausgewachsenen Löffel ein bisschen mehr Ordnung erwarten könnte. Ich bin genau wie meine Löffelchen, mir wird ein anderer Arm schnell mal zur Handschelle, wenn er über meinem Bauch zuschnappt. Was, wenn ein wildes Tier ins Schlafzimmer eindringt, eine Spinne zum Beispiel? Ich könnte nicht schnell genug die Flucht ergreifen, und auf die Herren Jäger und Sammler verlasse ich mich in so einem Fall lieber nicht. Ich meine, wenn die erstmal schlafen.

 

Schäfchen zählen klappt nicht, wie auch, so eine Schafherde ist ganz schön laut, kann doch kein Mensch einschlafen bei dem Krach. Rückwärtszählen fällt aus, ich kann keine Zahlen. Lesen geht immer, aber lesen ist nicht gleich schlafen. Ich bin noch nie über einem Buch eingeschlafen, ich bin auch noch nie auf der Couch vor dem Fernseher eingeschlafen, auch früher nicht, als ich noch wusste, wie das geht. Mittlerweile wäre es mir egal, wenn ich beim Fahrrad absperren im Hinterhof wegdriften würde. Hauptsache es klaut keiner mein Rad und Hauptsache schlafen, verdammt. Aber gestern, gestern war ich SO kurz davor. Ich fiel schon runter, war zu schwer, mich schon wieder umzudrehen beziehungsweise rumzuwälzen, zuzudecken, freizustrampeln, kippte rüber, am Rand meines ersten Traumes warteten N. und B. auf mich, obwohl die sich gar nicht kennen. Sie redeten aufgeregt auf mich ein, aber ich war zu müde, ich verstand kein Wort. Also riss ich die Augen mit Gewalt wieder auf, um mich zu konzentrieren. Aus purer Höflichkeit. Bitte in Zukunft am Anfang meiner Träume etwas deutlicher sprechen oder lauter oder am besten erstmal gar nicht, beziehungsweise verdammt nochmal.  

nicht verkrampfen, part II

thump. Besser kann ich es nicht lautmalen, es war ein sehr kleines Geräusch. Wir haben fast 40 Kilometer hinter uns, mit den Rädern über den Berg, Schotter rauf Schotter runter, bergab bleibt meine grosse Schwester jedesmal an meiner Seite, erst auf dem letzten geteerten Stück verliere ich ein bisschen Angst und lasse los. thump. Ich weiss es schon bevor ich zurückschaue, und bevor ich das Moutainbike in den blitzblauen Himmel fliegen sehe. Sie ist noch im Krankenhaus und es geht ihr nicht so gut aber es geht ihr gut. thump. Viel zu leise, eigentlich.

aua

"Mama, wo sind die Pflaster?" – ich hatte weder Messer noch Schere noch Licht in der Hand, blute aber trotzdem wie nichts Gutes. Meine Mutter nimmt meine Hand, hält sie unters Wasser, trocknet, und wickelt ein aus dem Nichts aufgetauchtes Pflaster um meinen Finger. Ich sehe ihr von zwei Köpfe grösser dabei zu und würde jetzt gerne einen sentimentalen Mutter-Tochter Gedanken hier hin schreiben, stattdessen finde ich es genau wie sie völlig normal, dass sie ihre 40-jährige Tochter verarztet, als wäre diese gerade mal drei. "Ned so schlimm" sagt sie. "Hast Du kein anderes" maule ich, "auf meinen Pflastern daheim sind Enten und Bärchen!" Aua.

Bekiffte Elfen helfen einem auch nicht weiter.

Think Pink! So lautete das Motto meines Abiturjahrgangs, ich weiss nicht mehr, warum wir das lustig fanden, aber es gab sogar entsprechende Aufkleber. Bestimmt war ich krank an dem Tag, an dem meine Klassenkameraden sich das ausdachten, denn ich hatte schon immer Probleme mit positivem Denken, und von Ausrufezeichen fühle ich mich bevormundet. Jetzt wurden für uns Menschen mit dem halbleeren Glas Millionen von Lebensratgebern vollgeschrieben. Das ist lobenswert, leider finde ich es meist hilfreicher, einfach noch ein volles Glas zu bestellen. Ausserdem weiss ich sowieso immer alles besser.

Ausser, wenn ich mal nicht alles besser weiss. Vielleicht deshalb stelle ich in letzter Zeit einen bedenklichen Hang zur Esoterik fest, Pendel, Horoskope, Handlinien – der Tag, an dem ich das erste Räucherstäbchen in der Wohnung anzünde kann nicht mehr fern sein. Falls jetzt jemand besorgt die Männer mit den Zwangsjacken an meine Adresse schicken möchte, bitte ich dringend, das zu unterlassen. Es würde mich dann doch sehr stören, wenn die klingeln und ich stünde ungeduscht und ungeschminkt, aber im Batikröckchen.

So oder so besteht dazu keinerlei Veranlassung, denn zwar suche ich meinen Seelenfrieden und die ein oder andere Antwort in Hippiekram, darf Euch aber sagen, dass es nicht klappt. Ich vermute, es liegt an meiner Einstellung. Mehr als einmal wurde mir in Krisenzeiten zum Beispiel schon verschwörerisch zugeflüstert, ich solle einfach beim Universum eine Bestellung aufgeben. Angeblich klappt sowas am besten mit Parkplätzen, geht aber auch für Liebe und was man sonst noch so braucht. Funktioniert nicht, ich habe es versucht. Zugegeben, "Her mit der Kohle, aber dalli" war nicht gerade die höflichste Wortwahl, und es half sicherlich nicht, dass ich dabei auch noch "Simples Visualisieren, uralter Hut" dachte. "Bitch" dachte sich das Universum, und liess geschwind ein "Leider nicht" auf alle Lose drucken. Einen Parkplatz vor der Tür brauche ich nicht, ich habe mein Auto vor zwei Jahren verkauft. Unter anderem, weil es nie Parkplätze vor der Tür gab.

Eine Exkollegin hat immer ihr Pendel in der Handtasche. Am meisten begeistert mich daran, dass sie es immer sofort findet. Seit man mehr als einen Lipgloss benötigt, um anständig durch den Tag zu kommen, haben Handtaschen groteske Grössen angenommen. So findet man zwar den Lipgloss nicht mehr, hat aber die Gewissheit, dass man jederzeit auch noch einen Zwergpinscher verstauen könnte. Vor kurzem hat besagte Kollegin zwei Fragen für mich ausgependelt, und die Antworten waren genau so, wie ich es hören wollte. Muss man sich mal vorstellen. Leider hatte ich Belangloses gefragt, mir fehlte der Mut, die wirklich wichtigen Dinge wissen zu wollen. Wenn da ein Nein kommt. Will man sich gar nicht vorstellen, die Konsequenzen. Hätte ich ein Pendel, ich würde jedesmal als letzte Frage ein "Du lügst doch, oder?" stellen. Dann hätte ich ein beleidigtes Pendel in der Handtasche unter dem Zwergpinscher rumliegen und wäre auch nicht weiter.

Ich kenne Menschen, die sehen immer und überall Zeichen. Ich habe bisher nur einmal ein Zeichen beziehungsweise vielmehr eine Aufforderung gesehen, aber auch nicht wirklich. Als ich in New York lebte, war eine Zeit lang ganz downtown Manhattan mit Aufklebern bepflastert, auf denen nicht "Think Pink!" stand, aber "Kinky, be all you can be", dankenswerterweise ohne Ausrufezeichen. Kinki ist mein Spitzname, ich aber fühlte mich trotzdem nicht angesprochen, ich dachte höchstens mal ein genervtes "Look, I'm fucking trying, okay?" Fast wie ein echter New Yorker. So respektlos sollte man auf keinen Fall mit Himmelszeichen umgehen, das rächt sich. Vermutlich wird sich das Karmarad, wenn es soweit ist, ein paarmal ratlos drehen, und mich dann als Käfer wiederkommen lassen. Als dicken kurzsichtigen Käfer, mit dem niemand spielen will. Als dicken kurzsichtigen Käfer, der eine Brille tragen muss, weil er keine Kontaktlinsen verträgt, und mit dem nicht einmal die anderen Brillenkäfer auf dem Schulhof spielen wollen. So wird mir geschehen, wenn ich die Zeichen weiterhin nicht zu würdigen weiss.

Wen kann ich noch fragen? Tarotkarten. Ich war auf der Suche nach Tom Sawyer und Huckleberry Finn, als sie mir aus dem Regal nicht in die Arme aber auf den Boden fielen. Wenn sie da schon mal gut gemischt liegen, dachte ich, aber auch hier fehlt mir jedes Verständnis. Zum einen gefallen mir die Motive nicht, die Karten sehen aus wie von einer bekifften Elfe gemalt, die begeistert auf ihre eigene Kreativität reingefallen ist. Ich kann derart pastellig verschwurbeltes Gekritzel nicht ohne Schmerzen ansehen, wahrscheinlich war ich in einem früheren Leben Grafikdesigner. Ein Käfer-Grafikdesigner. Mit Kassengestellbrille. Zum anderen sind Tarotkarten noch entscheidungsunfähiger als ich beim Anblick eines Sushi Menüs. Immer gibt es gut oder Katastrophe, oder so oder nee, vielleicht auch nicht, ich kann mir es mir also aussuchen. Das ist einerseits nicht schlecht, mir aber andererseits zu dumm. Wenn ich stundenlang im Schneidersitz auf dem kalten Boden die kompliziertesten Legesysteme, äh, lege, dann möchte ich gefälligst eine konkrete Antwort. Und nicht ein lapidares "Woher sollen wir das wissen, wir wurden von einer zugedröhnten Elfe gemalt."

Letzte Ausfahrt Horoskope. Ich lese sie alle, ich lese sie immer, nie stimmt auch nur ein Wort. Warum sonst bin ich immer noch nicht reich, und warum sonst rufen immer nur Menschen an, die behaupten, ich hätte Happy Digits, aber nie Hollywood? Vielleicht liegt es an meinem Aszendenten, oder kommt vom Rauchen, aber eigentlich verdächtige ich auch hier bekiffte Elfen, die hysterisch kichernd Löwe und Wassermann vertauschen. Immerhin liefert mir mein Horoskop in der Aprilausgabe der Vogue ein hübsches Schlusswort, ich zitiere: "Erheben Sie sich bitte von Ihrem Bett, und schieben Sie die Schwarten weg, die sich darauf stapeln, besonders all der esoterische Hokuspokus, den Sie seit Monaten konsumieren." Mach ich gerne. Weil das hier aber mein Text ist, gehört das letzte Wort nicht der Vogue, sondern mir. Und das vorletzte auch: Muss es nicht "besonders all DEN esoterischen Hokuspokus" heissen? Und: Ein Horoskop, das mir empfiehlt, den esoterischen Hokuspokus zu lassen, das ist ein bisschen wie ein Schnitzel, das mit einem vorwurfsvollen "Iss weniger Fleisch!" von meinem Teller hüpft.

good advice

"hundert betrunkene Affen an hundert Schreibmaschinen setzen?"
(K.)
Wenn das so weitergeht, versuch ichs damit. Wo kann man Affen ausleihen?

anspielung angekommen.

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danke, andrea.

"mich beschäftigen auch nebensätze in der nacht"
(K.)

"... und schlaf das einfach weg. Irgendwann wachen wir dann auf und die Sonne scheint. Wenns Dir fad wird komm nach Utting".
(M. - so! geht Feiertage)

Die Tage wollen neuerdings strukturiert sein und ich will bewegt sein, und zwar nicht nur dauernd im Kopf. Aus diesem Grund liegt neben mir der "Body up Diva Gymnastikplan". Zudem tut es mir sicherlich gut, wenn mir wenigstens eine Stunde am Tag gesagt wird, was ich machen soll - selbst wenn es nur ein von einer ekelhaft gut gelaunten Trainerin gekieckstes "und gleich nochmal, hurra, links rechts!" ist. Oder wie man halt in Aerobicstunden so redet. Leider scheint mein gutes Vorhaben schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt, denn ich kann mich nicht für ein Programm entscheiden, es klingt alles so unverständlich bis lächerlich. "Easy Fatburner" zum Beispiel. Fett verbrennen war noch nie einfach, für wie blöd halten die mich? Oder "Back & Style". Mit Style kenne ich mich ein bisschen aus, was aber hat mein Rücken damit zu tun? Wenn eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, dann macht ein gerader Rücken auch noch keine Stilikone, das wäre ja noch schöner. "Tae Bo" sagt mir was, was genau aber ist "Europ. Tae Bo"? Die europäische Variante, also weniger scharf? Ich dachte, das gibt es nur beim Thailänder. "Calburner mixed" wiederum glaube ich zu verstehen, wahrscheinlich verbrennt man erst die einen Kalorien, und dann die anderen, erst das Frühstück, dann die Frust-Gummibärchen, immer schön eins nach dem anderen. Es gibt eine Stunde, die heisst lediglich "90 Minuten", ist also eigentlich gar keine Stunde, soweit kann sogar ich rechnen. Das ist mir so lange sympathisch, bis ich den Verdacht hege, das könnte sozusagen der Joker unter den Aerobistunden sein, und man weiss nie, was einen erwartet. Nein, danke. Ich mag keine Überraschungen. Immerhin gibt es noch das gute alte Bauch Beine Po, was mich jedesmal mit einem "und was ist mit meinem Busen, der fängt doch auch mit B an!' denken lässt, und wenn schon Alliteration, warum dann eine halbgare und nicht gleich the real thing, nämlich BBB, Bauch Beine Busen? Wie so ein Training dann aussehen sollte weiss ich auch nicht, ich bin schliesslich keine Aerobictrainerin. Obendrein kommt es neuerdings zusätzlich als "BBP Express" daher, to go sozusagen, für die ganz eiligen. Dauert wahrscheinlich nur 10 Minuten, toll. Mein Favorit aber, über den ich allerdings nicht länger nachdenken will:"Hot Iron". Heisses Eisen. Fass ich lieber nicht an. Überhaupt: Was genau habe ich unter Body up Diva zu verstehen? Körper dich hoch, Diva? Bitte nicht englisch sprechen, wenn es noch nicht so gut klappt, ihr habt doch auch schön 'Gymnastik' drübergeschrieben, so redet ja heute auch kein Mensch mehr, oder lebt Turnväterchen Jahn etwa noch? Ist euch "Work out" nicht eingefallen? Ich jedenfalls gehe jetzt erstmal joggen, aber nicht auf dem Laufband. Entschuldigung, "Treadmill" wollte ich sagen.

"des siegst dann scho"

Mama, dein Apfelstrudel, wie geht der?
Mei. Da brauchst an Strudelteig.
Ah geh? Und wie geht der?
Jetza, geh, a Strudelteig halt. A Wasser, Mehl, Hefe, und Eier. Und a bissl a Sahne.
Und dann mim Mixer!
Naa, ned mim Mixer! Ja, den losst dann erst amal steh.
Und wia lang?
Ja, des siegst dann scho. Dann schneidst erst amal de Äpfel. Aber fei gleichmässig ge, und ned immer so gschlampert.
Was für Äpfel?
Oh mei, Christa.. Marianne…ja…
Martina!
Martina, mei, wosd hoid do host. Koane mehligen.
Koane mehligen. Mog I eh ned.
Ja, und dann machst an Strudel.
Doch so einfach.
Geh, des is doch ned schwer, des is doch bloss a Strudel. Und Rosinen duast no nei.
D'Anni hod gsogt…
Wos?
…eine Sultanine hat in einem Apfelstrudel nichts zu suchen!
Wos?
Nix.
Du gspinnerte Amsel. Wie gehtsn der Christa?
Des woass I ned.
Wieso woassd du des ned? De wohnt doch bei Dir!
Naa, Mama, de wohnt ned bei mir. De wohnt bloss ums Eck. Guad geht’s ihra, frags hoid selber!
Mei, ihr zwoa. Dann duasd de Rosinen aber bloss in oan Strudel eine, und in den andern ned.
Warum? Ich mach doch bloss oan Strudel!
Na ge, der Teig langt doch für zwoa.
Ah geh?
Und die Christa mog doch koane Rosinen!
I mach den Strudel doch ned für die Christa!
Jetza sei hoid ned imma so!
Und wia lang braucht der dann?
Da muasst dann immer nochschaun und a bissl aufpassn, und dann immer a bissl a Mili raufschütten, ge.
Aha.
Sonsd wird der so trockn.
Aha.
Und wann kimmst jetzt du hoam?
Zum Geburtstag, hob I doch gsogt!
Ja, aber wann?
Mama!!
Ah so, ja freili. Oh mei.
Wie lang dauert der dann? Der Strudel? Und wia heiss?
Ja, des siegst dann scho. Und wennsd mogst, dann machst a Vanillesauce dazu, gell.


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