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March 23, 2009 at 06:48 PM in immer die | Permalink | Comments (0)
March 13, 2009 at 11:41 AM in immer ich - 45 rpm | Permalink | Comments (2)
Ich sage es besser gleich, ich kenne mich da gar nicht aus, sondern bin lediglich irritiert. Das aber soll mir, wie immer, erstmal Grund genug sein. Ich mag keinen Tee, den Gesundheitswert von Milchprodukten halte ich für überbewertet, ich liege nicht gerne in der Badewanne, und Yogaübungen mache ich derzeit nur, während ich telefoniere. Was das eine mit dem anderen? Geduld, immer mit der Ruhe. Macht Euch doch erstmal einen schönen Tee.
Für mich nicht, danke, ich trinke warmes Wasser mit frischem Ingwer oder Zitronensaft. Deshalb bin ich auch so gut wie nie erkältet, sowas macht einen nämlich zu einer wandelnden Vitamin C Kapsel. Der einzige Tee, der mir ab und zu an bösartigen Wintertagen in den to go Becher kommt, ist Chai. Und das ist "kein Tee, sondern aufgeschäumte Milch mit Sirup", wie A. kürzlich treffend bemerkte. Ein Glück, denn Tee mag ich ja gar nicht. Damit konnte ich bisher auch gut leben, ich bin eine tolerante Person, von mir aus darf die ganze Welt neben mir sitzen und schön Teechen trinken, was sie ja auch tut. Gestern abend aber bekam Steffi Graf einen Anruf in meinem Fernseher. Ob die Nachbarskinder über Nacht bleiben könnten? Und der Hund auch? Und alle müssten aber morgen früh raus und ob sie, die Steffi, dann noch das Auto durch die Waschstrasse und den Einkauf? Klar, sprach Steffi, und baute lächelnd Teeschachteltürmchen vor sich auf. Dabei liess sie ihre Jeansbeine derart entspannt und gleichzeitig energisch über die Stuhllehne baumeln, dass selbst die Jakobs-Krönung Frau blass wurde. "Hol Dir Kraft", stand auf den Teeschachteln, "Innere Ruhe" und "Klarer Kopf". Man korrigiere mich, aber hätte man sich früher bei einem solchen Anruf nicht auf die Lippen gebissen, ein "Mach ich gerne" hervorgepresst, nur um dann aufzulegen und sich erstmal einen Schnaps zu genehmigen? Die Überschrift der Tees heisst übrigens "Bestimmen Sie selbst wie Sie sich fühlen". Ich hatte ja keine Ahnung. Man kann mit Tees bestimmen, wie man sich fühlt? Warum erfahre ich das erst jetzt? Meine Neugier war geweckt, ich machte mich schlau und durfte so zusätzlich "Freu Dich", "Fühl Dich jung" und "Einfach schön" kennenlernen. Fühl Dich jung und Einfach Schön habe ich natürlich auf der Stelle getestet, und was soll ich Euch sagen, hab ich mir ja gleich gedacht, dass es so einfach nicht geht. Davon mal abgesehen, was macht Steffi Graf hinter Teetassen, ist Pesto alle? Ist Barilla pleite? Ist das überhaupt Steffi Graf?
Auf Freu Dich! habe ich verzichtet, ich kann es nicht leiden, wenn man mir mit Ausrufezeichen kommt oder mir sagt, wo's lang geht. Umso schlimmer für mich, als mir nachmittags im Cafe ein Ingwertee serviert wurde, der gar keiner war, es war ein schlecht getarnter Yogi-Tee. (Ich lasse "Yogi-Tee" hier bei vollem Bewusstsein ungeschoren davonkommen). Auf dem Teebeutelchen beziehungsweise vielmehr auf diesem Papierfitzelchen stand, einem Glückskeks nicht unähnlich, "Mache heute besser als gestern". Das gab mir den Rest. Lernt ihr erstmal deutsch, wollte ich rufen und mir gleich noch einen Schnaps bestellen, schliesslich hatte ich mich gerade erst von Steffi's Telefonat erholt. Dass mir jetzt schon Teebeutel Befehle erteilen, geht eindeutig zu weit, ich meine, den ganzen Tag im warmen Wasser rumhängen, aber gescheit daherreden? Sowieso verärgert mich nichts schneller als Blümchensprüche à la "Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, dann mach Limonade daraus." Wenn das Leben mir Zitronen gibt, was im übrigen schon des öfteren vorkam, dann brauche ich erstens keine Limonade, sondern noch einen Schnaps. Zweitens seufze ich in dem Fall nicht leise "Ach, hoppala!", sondern sorge dafür, dass mein Gezeter noch drei Strassen weiter zu hören ist. Und zu was? Zu recht. Wo war ich? Beim Tee. Es könnte mir eigentlich egal sein, ich habe meine Teetrinker-Karriere schon in der 11. Klasse mit "Tagtraum Tee" angefangen und beendet, ungefähr zu dem Zeitpunkt, als ich auch diese Samtlatschen-Schuhe wegwarf. Zu Bestellen gab es den parfümierten Kram in diesen grünen Heftchen, die, die auch klitzekleine Patchouli Duftöl-Flakons lieferten. Das Öl kam hinters Ohrläppchen und der Flakon in den Setzkasten, der an der Wand über dem Bett hing, gleich neben dem Poster mit dem knutschenden Pärchen am Strand. Jetzt habe ich Angst, dass Setzkästen zurückkommen.
Meine Bedenken kommen nicht von ungefähr, immerhin ist diese Entwicklung auch beim Yoghurt zu beobachten: Pfirsich-Maracuja, Erdbeer-Rhabarber, an Weihnachten schleicht sich Zimt rein, und der ein oder andere Bratapfel. Wie beim Tee! Da fing es auch harmlos mit Kirsche-Vanille an, und wo sind wir jetzt? Jetzt erklären uns Teebeutel, die nicht mal Kurs 1 in "Deutsch für Anfänger" schaffen, die Welt. Bei den Yoghurts wird es auch nicht mehr lange dauern, hört meine Worte. Schon jetzt darf man kaum noch einen kaufen, ohne Verdauungsbeschwerden nachweisen zu müssen. Von da sind Namen wie "Hör auf Deinen Bauch!" nicht mehr weit. Zugegeben, zusammen und wörtlich genommen gefällt mir das ausnehmend gut: Für innere Ruhe und gegen Blähbauch, das passt wirklich hübsch zusammen - Ruhe da drinnen, wer will das nicht. Demnächst aber wird mir Germany's next Topmodel empfehlen, mit einer schönen Tasse Tee - "Tauch unter!" - in die Badewanne zu gehen, und einen Becher Yoghurt ins Wasser zu kippen, für babyweiche Haut. Möge es ihr erster und letzter Werbeauftritt sein. Den Yoghurt im Wasser kann ich mir ausserdem sparen, mein Duschgel heisst Yoghurt&Milk. Das wundert nicht weiter, Lebensmittel spazieren schon seit Jahren auf das Geheiss von Frauenzeitschriften ab und zu ins Bad. Quark und Gurken ins Gesicht, Bier und Ei in die Haare, ohne mich. In meiner Kosmetik soll hochwirksames Zeug aus der Zukunft stecken, nicht der übrig gebliebene Quark von gestern. Lebensmittel gehören da hin, wo sie hingehören, in die Küche. Ich schütte ja auch keinen roten Nagellack in die Tomatensauce, nur damit die eine lebendigere Farbe bekommt.
Als nächstes muss die Pasta dran glauben, jede Wette. Ich prophezeie Nudeln, die nicht mehr als lustige Fusili daherkommen, sondern als Om. "Gutes Karma! (11 min.)" wird draufstehen. Von mir aus. Ich werde solange Parmesan drüber reiben, bis ich es nicht mehr mitansehen muss.
March 01, 2009 at 03:33 PM in immer ich - 33 rpm | Permalink | Comments (12)