Bestimmt habe ich mich noch gewehrt, aber der Herbst oder ein ausser Kontrolle geratener Nestbau-Trieb waren stärker, kalt war mir auch. Nur so kann ich mir erklären, dass ich mich in einem dieser zu bunten Deko-Läden wiederfand. Einem dieser Läden für Menschen, die sich getrocknete Rosenblätter in einer Schüssel auf den Tisch im Flur stellen, und die auch vor "Er" und "Sie" Handtüchern nicht zurückschrecken. Ich habe auch einen Tisch im Flur, aber da sammeln sich Kabel, Post und Zeugs, und Geschlechtertrennung bei Handtüchern finde ich schlicht übertrieben. Als ich wieder zu mir kam stand ich auf der Strasse. Mit Schwindel im Kopf, Übelkeit im Magen und einer Tüte voller Kerzen und Teelichtern in der Hand. Sowas passiert mir eigentlich nicht einmal mehr bei Ikea.
Leider weiss ich jetzt nicht weiter, ich habe wenig Übung im Dekorieren, ich dekoriere höchstens mich selbst ab und zu. Gemütlich ist für mich überall da, wo ich nicht friere, und natürlich mag ich Kerzenschein – ich weiss schliesslich, wie ich unter Neonlicht aussehe. Es ist nur so, dass mich zuviel Schnickschnack in meiner Umgebung nervös macht, und dann werde ich ungemütlich. Was also tun mit dem Lichtermeer? Die Teelichter gehören in kleine Gläser, das habe ich schon desöfteren irgendwo gesehen, und die dann auf das Fensterbrett. Oder den Badewannenrand, aber da kann ich leider nicht mitmachen. Bei mir heissen die richtigen Zutaten für ein Vollbad immer noch Gummiente und Plastikspielzeug. Offensichtlich haben mich die Jahreszeiten mit samt ihren Klischees in der Gewalt. Ich finde das sehr beunruhigend, die Jahreszeiten haben sich ja nicht einmal selbst richtig im Griff. Den Sommer hat man schliesslich auch nur daran erkannt, dass die Jeans der weiblichen Bevölkerung kurz nicht mehr in braunen Stiefeln steckten. Was kommt als nächstes? Duftlampen? Parfümierter Tee mit Sinnsprüchen? Werde ich eine Adventskranz-Bastel-Einladung an meine Freunde verschicken? Habe ich dann überhaupt noch Freunde? Wenn ich nicht schnell etwas unternehme, werde ich womöglich schon im nächsten Frühling Latte Macchiato schlürfend vor dem Cafe sitzen und meine Sonnenbrille als Haarreif missbrauchen. Was soll dann aus mir werden? Wer wird mich stoppen, wenn ich anfange, weisse Häkeldeckchen in der Wohnung zu verteilen?