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aber nur weil Du's bist, Isa.

Liest Du gerne?
Ich weiss, ich weiss, das ist eine rhetorische Frage, ist es nicht?

Wenn ja, welches Genre?
Belletristik. Krimis verstehe ich nicht, Kochbücher helfen mir nicht, weil ich mich nie an Vorgaben halte, Reiseführer mag ich nicht, wenn ich woanders bin sehe ich schon, was ich sehen soll. Warum böse Mädchen in den Himmel kommen und Männer besser einparken können interessiert mich schlicht nicht.

Dein letztes Buch hieß wie?
Vladimir Nabokov: Pnin.

Ich lese zwar schon, seit mir Pippi Langstrumpf vorgestellt wurde, verbrachte und verbringe aber viel Zeit mit zeitgenössischer amerikanischer/englischer Literatur, deshalb peinliche Lücken bei den Klassikern. Wie mein Lateinlehrer, der Herr F., schon sagte: Da fehlts doch an der Basis. Ich bin dran, Herr F., ehrlich!

Würdest Du es weiterempfehlen?
Mit grosser Begeisterung. Ihr dürft aber auch gerne irgendwas anderes lesen.

Warum hast Du Dir genau dieses Buch zugelegt?
Wegen dem Herrn F., und weil man schon auch mal Nabokov lesen sollte. Obwohl 'man sollte' bei mir ansonsten lediglich Trotzreaktionen hervorruft.

Welches war das miserabelste Buch, dass Du je in der Hand hattest?
Meines Erachtens schlechte Bücher lege ich sofort wieder weg – Leben: kurz, Bücher: viele. Ausserdem verfüge ich über ein hervorragendes Bücherempfehlungsnetzwerk, Miserables fällt mir also selten in die Hände.

Bist Du ein Bücherquäler? Entsorgst Du z.B. die Schutzumschläge, machst Eselsohren oder besudelst die Seiten?
Nein, ich quäle ja auch keine kleinen Kätzchen. Schutzumschläge kommen runter beim Lesen, weil sie immer rutschen. Ausserdem liege ich nicht Pralinen futternd und mit schokoladeverschmierten Fingern lesend auf der Couch, ich bin ja kein Amicelli Werbespot.

Was machst Du mit den Büchern, wenn Du sie gelesen hast?
Ich stelle sie in meine beeindruckende von A nach Z sortierte Bibliothek.

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Bitte bei Bedarf selbst abholen. Ich muss jetzt weg.

Glei a Watschn.

Ich fange jetzt schon mal an, obwohl es noch gar nicht angefangen hat, meine Rumgrantelzeit ist knapp bemessen in diesem Herbst, aber ich hege die zarte Hoffnung, dass sich das Schlimmste vielleicht im Vorfeld verhindern lässt. Allerdings glaube ich in schwachen Momenten auch noch an die Liebe, von daher.

Es heisst Oktoberfest oder Wiesn, meine Damen, es heisst nicht 'die Wiese' und es heisst vor allem und schon gar nicht Fasching oder Karneval. Ich möchte zu gerne heute schon die Mehrheit der weiblichen Oktoberfestbesucher dazu verdonnern, obigen Satz dreihundertmal mit Kreide an eine Tafel zu quietschen. Weil aber selten jemand macht, was ich sage, erkläre ich es kurz hier und umständlich aber trotzdem ein für allemal.

Das Oktoberfest heisst Oktoberfest weil es im September in München stattfindet, und nicht im Februar in Köln oder Düsseldorf. Das ist übrigens auch der Grund, warum die Menschen 'ein Prosit!' plärren und nicht etwa 'Alaaf!' Ein Dirndl ist kein Clownkostüm sondern eine Tracht und steht für Bayern Berge Brauchtum. Wer davon nichts versteht ziehe sich bitte an wie sonst auch, es ist genug Bier für alle da, versprochen, man muss sich nicht als Bayer verkleiden. Ganz Australien stünde ja draussen vorm Zelt, ausserdem bekommt man im T-Shirt weit leichter die Hände zum Himmel als in einer doch sehr engen Dirndlbluse.

Die letzten 20 Jahre und bis heute nannte selbst ich kein Dirndl mein eigen, dabei besitze ich wirklich alle Kleider, die es gibt auf der Welt und bin quasi qua Geburt berechtigt, eines zu tragen. Oder halt Skischuhe. Ich komme aus den Bergen, ich war im Alpenverein, ich spreche ein Bayrisch, dessen 'R' sich selbst in meinem lupenreinen Hochdeutsch nur schwer verbergen lässt und ich kann Dirndldrahn, werde jetzt aber nicht erklären, was das ist und weiss auch nicht, wie man es richtig schreibt. Auch ich mache mich gerne mal über meine bayrische Herkunft lustig, ich aber darf das, siehe oben. Alle anderen halten sich bitte zurück, es sei denn, sie waren mit mir im Alpenverein oder gehören zum grossen Kreis derer, die mir damals den Schorschi ausgespannt haben.

Die letzten Jahre war ich in Jeans und T-Shirt auf dem Oktoberfest, weil ich weissblau zu würdigen weiss und wenn schon denn schon, es mangelte mir halt meist am denn schon, denn ein ehrliches Dirndl braucht Geld und Zeit und Busen. Über 'schön' lässt sich immer streiten, mei, da hat halt a jede einen anderen Geschmack. Was aber auf keinen Fall zur Diskussion steht ist das Drumrum. Ich schreibe es jetzt nochmal zum Mitschreiben: Ein Dirndl ist keine Verkleidung. Es braucht keine Heidizöpfe, es braucht keine roten Bäckchen, man muss die Lieblingsbands nicht via Buttons auf der Dirndlbluse kundtun, im Bierzelt geht jeder noch so hervorragende Musikgeschmack sowieso sofort über Bord. Es braucht erst recht keine Chucks oder Stiefel oder Timberlands oder Netzstrümpfe untendrunter. Das einzige Adjektiv, das eine Frau im Dirndl dabeihaben sollte ist: sauber. Sauber gewaschen, sauber gekämmt, sauber innendrinnen. Und zwar bitte mindestens bis zur dritten Maß. Maß. Nicht Maas.

Ihr habt Glück, dass Euch meine Mama nicht sehen kann. 'Schamst Di gar ned' würd sie sagen, oder 'So gehst Du mir ned ausm Haus'. Sätze, die ich übrigens nie zu hören bekam, auch nicht wenn ich mit blauen Haaren und schwarzen Kutten im Dorf Semmeln holen ging. Beim Dirndl aber hört sich der Spass auf, ich bin nicht umsonst die Tochter meiner Mutter und ich sag es Euch nur einmal, jetzt schon, bevor ozapft is: Reissts Euch zamm. Die erste, die ich mit Leggings unterm Gwand erwisch: Glei a Watschn.


Bald kann ich Manhattan nachbauen, wenn ich mal Lust habe


Meine Bücher wohnen in Regalen, meine Schuhe auch, meine Designerklamotten fristen weit unter Niveau in einem Schrank ihr Dasein, meine Fotos, meine Briefe, meine Texte wohnen in Schachteln und im Laptop und im Internet, meine CDs in stapelbaren kleinen Kästchen, meine tausend Taschen in einem Spind, da, wo auch meine Mützen und Schals wohnen, meine Milch im Kühlschrank, meine Rechnungen im Briefkasten, mein Äffchen und mein Pferd, nein, Moment.

Denn genau das machen sie nicht, meine Sachen, meine Dinge. Sie breiten sich aus, sie quellen über, vermutlich proben sie die baldige Machtübernahme in der Wohnung. Und da ist es auch schon, mein Problem, schon wieder ein Problemchen, hört das denn nie auf. Wie soll Zucht und Ordnung unter den Dingen herrschen, wenn Platz durch Wände (Mauer) und Wände (Regale) begrenzt ist, die Sachen aber, und das liegt ja nun in der Natur der Schuhe, immer mehr werden? Wie, auch mal was wegwerfen?

Am schlimmsten sind die Bücher. Irgendwann habe ich sie auch in dieser Wohnung in Regale gestellt, nur von Ordnung oder gar Logik kann dabei nicht die Rede sein. Es gibt bei mir nur eine grobe Unterteilung: hier die englischen, da die deutschen. Bildbände liegen auf dem Boden, meine vier Geburtstagsgeschenkkochbücher stehen in der Küche, Reiseführer lese ich nicht, Lebensratgeber lese ich erst recht nicht, ich weiss sowieso alles besser. Ansonsten achte ich nur darauf, dass wenigstens die Autoren beinander stehen beziehungsweise so hätte ich es gerne, aber da geht es ja schon los. Ich sage nur: Jedes Regalbrett hat ein Ende und nicht jeder ist so berechenbar wie Frau Rowling. Manchmal fällt einem der vielen Bücherschreiber nach Jahren der Stille doch noch eine ganze Geschichte ein (Parker bitte von den Toten auferstehen, Frau Parker bitte!) und bei mir ist aber mittlerweile kein Platz mehr, da, wo sie hingehören täten. Und dann? Das ganze Regal ausräumen? Nach unten weiterräumen, um so oben noch Platz für eins mehr zu schaffen? Man würde ja nicht mehr fertig, kann ich ja gleich Sisyphos heiraten.

So kommt es, dass manche meiner Bücher nicht mehr bei ihren Geschwistern im Regal liegen, sondern im anderen Regal im anderen Zimmer. Natürlich finde ich mittlerweile gar nichts mehr und kann nicht im sorgenfreien Wissen, dass Autorenwerke lückenlos vorhanden sind, selig einschlafen. Verleihen ist ganz schwierig, ausser, das Gewünschte ist brandneu, also für mich jetzt, denn dann ist es im Stapel neben dem Bett oder der Couch zu finden. Wahrscheinlich. Jedenfalls ist Regalplatz bei mir jetzt endgültig alle und alles, was neu dazukommt, muss sich mit noch verfügbaren freien Oberflächen begnügen. Bald kann ich Manhatten nachbauen, wenn ich mal Lust habe.

Ich könnte einen grauen Sonntag mal zum Anlass nehmen, da System rein und Staub rauszubringen. Könnte ich schon. Ich habe das sogar mal gemacht. Ich habe einmal die Bücher aus den Regalen gezogen, nicht aus Langeweile sondern aus Wut, und selbstverständlich alle auf einmal. Ich mache sowas nie wieder, schneller kann man den Lebensmut nicht verlieren. LebensmuSt stand erst hier, und so schnell kann man übrigens auch Angst vor den eigenen Vertippern bekommen. Umzüge eignen sich für derartige Kleingeisterei erst recht nicht, ich bin schon oft umgezogen und weiss, wie schnell Nerven und Geduld da lieber Bier trinken gehen. Wie soll man sich ausgeklügelte Findesysteme für Bücher überlegen, man hat ja genug damit zu tun, sich Findesysteme für Geld einfallen zu lassen. Alphabetisch stinkt übrigens, falls mir jetzt jemand helfen möchte, und ausserdem brauche ich kein System (hab ich doch, deutsch/englisch!), ich brauche lediglich mehr Regalplatz, gleichzeitig machen mich übermöblierte Wohnungen nervös. Was soll ich nur machen? Ich könnte über das nächste Übel schimpfen.

Die Musik, nämlich. Auch CDs wollen übersichtlich verstaut sein, dauernd muss man irgendwas irgendwo reinräumen, eigentlich wär mir alles virtuell lieber. Nein, stop, ich nehms zurück. Auch hier seit immer nur grobe Unterteilung: hier Soul, da Hip Hop, dort Gitarrengeschrammel, drunter alles, wofür ich keinen Oberbegriff kenne, schliesslich bin ich kein Plattenladen. Was soll ich groß rumschreiben, Nick Hornby hat schon alles zum Thema Ordnung und Liebeskummer in Plattensammlungen gesagt, aber hat es mir was gebracht? Nein, hat es nicht. Musiker sind regaltechnisch mindestens so schlimm wie Schriftsteller, dauernd kommt was Neues, ich aber habe leider unter 'unterernährter amerikanischer Singer/Songwriter' keinen Platz mehr. So stapeln sich auch CDs wirr, und alles was jetzt noch genügend Gnade in meinen Ohren findet, um nicht nur als mp3 daherzukommen, muss sich mit noch verfügbaren Oberflächen begnügen. Bald kann ich Manhattan nachbauen, wenn ich mal Lust habe. Über meine Platten möchte ich nicht sprechen, mein Plattenspieler kam mir vor vielen Jahren abhanden, das vorhandene Vinyl lehnt an der Wand unter der Treppe. Zudem besitze ich nur eine höchst unbefriedigende Musikanhörausstattung, entweder es scheppert aus einer winzigen Kompaktanlage oder es scheppert aus dem Laptop, und wie genau klingt nochmal Bass? Bisher hat sich noch jeder, der sich mit sowas auskennt, bei diesem Anblick auf der Stelle umgebracht. Ich weiss ehrlich gesagt auch nicht, wie ich damit leben kann.

Was hab ich noch? Schuhe, Taschen, Mützen, Kleider. Ich habe hier nur einen einzigen, dafür aber ausgesprochen weisen Rat: es darf im Schlafzimmer auf keinen Fall ein Stuhl oder Sessel stehen, Fernseher übrigens auch nicht, aber das ist eine andere Geschichte. Ein Stuhl oder Sessel im Schlafzimmer bedeutet das sichere Ende, man wird nie wieder knitterfrei das Haus verlassen. Warum? Weil sich dort alles sammelt, was man von der Routine erschlagen mit letzter Kraft von sich streift oder halt betrunken grobmotorisch von sich wirft, vorausgesetzt man wird den BH los, ohne dass er sich ausweglos im T-Shirt verheddert und man Gefahr läuft, sich auch noch selbst zu strangulieren. Irgendwann kommt der Tag, an dem man das wegräumen muss, oder an dem man diesen einen grauen Schal braucht. Aufräumen kann man das Ganze übrigens relativ schnell, indem man einfach alles in den Wäschekorb wirft, dann allerdings will es irgendwann gewaschen werden. Seht Ihr, was ich meine? Es ist so ermüdend.

Meine Schuhe und Taschen sind ebenfalls schlecht erzogen, beides sammelt sich im Flur, weil es das letzte ist, was ich anziehe und das erste, was ich von mir werfe. Ich gehöre zu den wenigen Frauen, die jeden Tag eine andere Tasche benutzen können, ohne dabei andauernd irgendetwas vergessen zu haben. Nichts würde mich mehr irritieren als eine Handtasche, die zum Outfit passt, ausserdem kommen auf diese Weise alle mal an die frische Luft. Nur am Ende der Woche liegen sie dann da und wollen aufgeräumt werden, dito die Schuhe. Und man kann sie noch nicht mal einfach in die Waschmaschine werfen.

Was ich brauche ist ein Schloss. Was ich brauche sind begehbare Kleiderkammern, was ich brauche ist eine Zofe, was ich brauche ist eine Bibliothek, was ich brauche ist Google Appartment. Bis es soweit ist werden sich meine Sachen weiterhin einen Dreck um Regale scheren und mir das Leben umständlich machen. Allein im Kühlschrank herrscht Ordnung. Kinderspiel, der ist leer, und da ist es ja schon, mein nächstes Problemchen.


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