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1 new message receiv...

Die SMS Inbox beim superslimmen neuen Handy kommt mit Vorschau, genau wie Outlook in der grossen email Inbox, die Nachricht wird angeteasert und bricht nach einer halben Zeile mit drei vielversprechenden Punkten ab, dann muss ich anklicken, um weiterzulesen. Ich kann mich nicht entscheiden, ob mir das gefällt oder überhaupt nicht. Einerseits mag ich die Spannungsmomente zwischen 'message', klick, 'sender' und, klick, den ganz besonders, kurz bevor die SMS aufpoppt, also zwischen ich weiss schon wer ich weiss aber noch nicht was. Bisschen Spannung im Leben, braucht jeder, und so einfach kanns gehen, merkt euch das mal. Andererseits liest sich mein Handyinboxdisplay jetzt in diesem Moment von oben nach unten mit wenigen Auslassungen wegen geht Euch nichts an und die Outbox lass ich auch weg ungefähr so:

Sie haben 1 neuen An…
Soll ma heut? Wenn n…
Ich glaub ich dreh lan…
Hast Du sie gefunden?...
Haben grad moneybr…
Is oke,ach ich weiss a…
Na, kinki, hier ist abar…
Alles irgendwie ok?Ic..
Bin in 5 min da.
Wir hätten lust, uns…
Ich fahr jetzt los. Kön…
Ok, ich werds auch nic…
Bin im cafe bis halb 3,…
Kein Problem. Sitzen…
Zwei Bier mit mir?
Schläfst Du schon? W…
Armes Kinki…

Armes Kinki, indeed. Ich weiss nämlich nicht, wie man das ausschalten kann. Andererseits steckt da vielleicht ein ganzer Roman drin, wenn der Zufall mal Lust hat.

Du sollst den Beipackzettel lesen.

Ich bin zwei Moby Dicks, meine Knie haben die Größe von ungefähr Hawaii, meine Beine gleichen Baumstämmen, jede Jeans im Schrank würde lauthals lachen, könnten Jeans lachen. Ich kann mich nicht zwischen weinen oder rumzicken entscheiden, verstumme deshalb vollständig und also spricht auch niemand mehr mit mir. Das kann ich schon seit Kindergarten, ich muss meine Launen nicht lauthals kundtun, ich kann mir die Menschen allein mit Körperhaltung vom Leib halten. Ein großes Glück, man spart sich verlogene Erklärungen 'schau, ich bin einfach nur müde' und lästige Wiederholungen 'nein, schau, ich bin wirklich einfach nur müde'. Kollegen und Freunde umschiffen mich großräumig, schenken mir aber ab und zu zaghaftes Lächeln oder Kekse, nicht wissend, dass sie es damit noch schlimmer machen. Bitte jetzt nicht lieb zu mir sein, ich muss sonst heulen, aber lasst gefälligst die Kekse da. Auch eine trächtige Elefantenkuh muss irgendwann mal essen. Ich weiss, sie kommen in Frieden und können nichts dafür. Aber ich kann erst recht nichts dafür, verdammt nochmal.

Jeden Monat der gleiche Irrsinn, jeden Monat kann ich mich vierfünf Tage lang nicht entscheiden, ob ich dick oder doof bin oder nur dick oder nur doof, und ob mich überhaupt jemand lieb hat oder na kein Wunder, dick und doof wie ich bin. Gottseidank hat der Spuk jedesmal ein Ende, die Jeans passt wieder, das allerdings bezahlt man, also ich, mit Schmerzen. Ich habe schon bessere Deals gesehen. Genau hier brauche ich übrigens auch ein neues Wort für Schmerzen, Schmerzen klingt viel zu harmlos, es reimt sich ja sogar auf Herzen. Wenn mir da kurz jemand helfen könnte, ich gebe mal ein bisschen Hilfestellung, ja? Tapete abkratzen, Kopf gegen die Wand, lieber sterben, die Richtung. Kinder kriegen kann nicht schlimmer sein, nein, kann es nicht. Ich bin wirklich hart im Nehmen, man glaube mir das jetzt bitte mal so, aber wenn Kinder kriegen noch schmerzhafter ist, dann verstehe ich nicht, wo die ganzen Geschwisterchen herkommen, die Janina heissen. Derart dumm ist keine Frau, auch nicht die Dummen. Oder aber Mütter vergessen tatsächlich gleich wieder alles, dann wüsste ich allerdings gerne, wie das geht, Schmerzhaftes schnell vergessen. Schon komm ich vom Hundertsten ins Tausendste, jetzt bin ich schon bei Wehen und Geburten, da wollte ich ja gar nicht hin, da kenn ich mich ja gar nicht aus.

Es tut dann also erstmal weh (also sehr weh, ich warte immer noch auf Wortfindungshilfe, Kinder, der Text ist gleich zu Ende) was nicht so schlimm wäre, denn ich bin nicht nur zwei Moby Dicks, ich bin auch ein Uhrwerk und ticke pünktlich alle 28 Tage aus, könnt ihr gerne das Datum nach stellen, und deshalb verlasse ich das Haus niemals ohne Ibuprofen. Bis auf letzten Donnerstag, ich blöde Kuh. Jetzt darf man schonmal den Lippenstift vergessen, am Tage 28 ohne Ibuprofen dazustehen kommt allerdings einer mittleren Katastrophe gleich und antworte mir jetzt niemand mit 'lauf halt in die Apotheke' denn schon bei '…lauf' liege ich gekrümmt in der Ecke und kann beim besten Willen nicht mehr zuhören, weil ich mit dem Kopf gegen die Wand und lieber sterben usw usf. Dies bitte nicht mit Kranksein verwechseln, Kranksein kann jede Frau mit links, wir putzen dann erstmal das Bad, gehen einkaufen und wechseln die Bettwäsche, bevor wir uns darniederlegen, wenn wir nicht trotzdem ins Büro radeln. Mädchenbauchschmerzen kommen direkt aus der Hölle und dann geht tatsächlich gar nichts mehr, also ungefähr so, wie wenn Männer Schnupfen haben. Nur halt viel schlimmer.

Gottseidank habe ich Freunde, die nebst zaghaftem Lächeln und Keksen auch Schmerzmittel parat haben, Mädchen-Schmerzmittel, Buscopan nämlich. Hat man sich bereits drogenlos dreimal um den Schreibtisch gewickelt schluckt man alles, was auch nur annähernd Linderung verspricht. Ich schlucke. Und warte. Und krümme. Und fluche. Und spüre: Nada. Nüschte. Der pure Überlebensinstinkt treibt mich in die gleiche Apotheke, in der ich den Chef einst nach der Höchstgrenze Ibuprofen befragte. Er sah mich kurz von oben bis unten an, fand ich hätte eigentlich eh schon 800mg zuviel, ich aber hatte trotzdem noch Bauchschmerzen. Diesesmal verkaufte er mir mein Wundermittel ohne Besserwisserei, gab mir ein Glas Wasser, es ging mir dann zack besser und ich konnte heimfahren und schlafen. Ibuprofen, mein Schatz.

Einigermassen wiederhergestellt wollte ich trotzdem wissen, was beim fremden Schmerzmittel schiefgelaufen war, so hoch kann meine Toleranz schliesslich nicht sein, auch wenn mein Zahnarzt anderes erzählen könnte. Ich las aufmerksam den Buscopan Beipackzettel, obwohl ich nie Beipackzettel lese, ich bin zu ängstlich für Nebenwirkungen. Ich höre mir die Sicherheitsnummer im Flugzeug auch nie an, nicht, weil ich so ein gelangweilter Vielflieger bin, sondern weil ich sowieso schon so viel Angst habe. Ich kucke immer nur, ob auch ja eine Schwimmweste unter meinem Sitz ist, am Ende hatte die Flugbegleiterin ihre Tage und Krämpfe und hat ausgerechnet meine Schwimmweste vergessen. Was ich wirklich verstehen könnte, ich möchte nur nicht deshalb jämmerlich ertrinken. Ende vom Lied: Buscopan, die teure Pille, besteht aus Duboisia, und zwar nur. Duboisa, das ist irgendeine Pflanze, deren Name ja schon sowas von nach Zweifel klingt und sonst nichts, Bio halt, ganz ehrlich jetzt mal: Fuck off. Buscopan plus dagegen besteht aus Duboisa plus (ach so) Paracetamol, ich habe keine Ahnung, ob mir Paracetamol helfen würde, ich hatte ja aber auch die ohne plus Version erwischt. Ich habe also versucht, mein lieber tot sein mit einem Grüngewächs zu bekämpfen, ganz ohne Schmerzmittel, ich, die nicht mal Basilikum am Leben halten kann. Das ist in etwa so, wie wenn einem eine Wärmflasche gegen die Krämpfe angeboten wird, oder Kamillentee. Tropfen, heisser Stein, da lang. Oder wie wenn einem bei vollem Bewusstsein ein Bein amputiert wird, und man bekommt einen Zahnstocher zum Draufbeissen. Für gegen die Schmerzen. Süss.

don't panic

''Don't panic' I say to myself out loud. 'It's okay. It's okay. It's okay.' I stop when I realize that I'm not listening to myself.'
(Henry in 'The Time Traveler's Wife', Audrey Niffenegger)

erst 35! und schon August!

1. Thomas Mann: Buddenbrooks
2. Alice Munro: Something I've been meaning to tell you *
3. Matt Beaumont: Where there's a will
4. Marisha Pessl: Special topics in calamity physics
5. Kelén / Dziewas: Lauschangriff
6. Michael Crichton: Airframe
7. Wolfgang Herrndorf: Diesseits des van-Allen Gürtels *
8. Mindestens haltbar, Buch für Meinungen
9. A.M. Homes: This book will save your life * (!)
10. John von Düffel: Houwelandt
11. Truman Capote: In cold blood
12. Andreas Merkel: Das perfekte Ende
13. Harriet Köhler: Ostersonntag *
14. Mike Kelley, John Welchmann: Interviews, Conversations and Chit Chat
15. Christopher Coake: We're in trouble *
16. J.R. Moehringer: Tender Bar * (!)
17. Max Goldt: QQ
18. Joshua Ferris: Then we came to the end
19. Julian Fellows: Snobs
20. Nora Ephron: I feel bad about my neck
21. John von Düffel: Zeit des Verschwindens
22. Gary Shteyngart: Absurdistan
23. Thomas Hettche: Woraus wir gemacht sind
24. Jens Friebe: 52 Wochenenden *
25. Friedrich Ani: Süden und der Luftgitarrist
26. Friedrich Ani: Süden und der Strassenbahntrinker
27. Friedrich Ani: Süden und das Geheimnis der Königin
28. Friedrich Ani: Süden und die Frau mit dem harten Kleid
29. Zadie Smith: On Beauty *
30. Alice Munro: Friendship, Hateship, Courtship, Loveship, Marriage *
31. Jonathan Lethem: You don't love me yet *
32. Frank Goosen: So viel Zeit
33. Jochen Schmidt: Meine wichtigsten Körperfunktionen *
34. Audrey Niffenegger: The time traveler's wife * (!)
35. Armistead Maupin: Michael Tolliver lives

Den 'vielleicht hat es kein Ende, wenn ich langsamer lese' Award teilen sich bisher: J.R. Moehringer, A.M. Homes und Audrey Niffenegger.
PS: Empfehlungen very welcome, 35 ist Vorschulkram.
PPS: Jadoch, ich habe Buddenbrooks erst jetzt gelesen. Na und?

sag du mir nicht wie ich sein soll.

'be curly' heisst das Shampoo, und meine Haare gehorchen. Ich fass es nicht.

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