Wie das dauert! Was das kostet!
Ich komme gerade aus meinem Badezimmer, das übrigens aussieht wie alle anderen Badezimmer auch, soll heissen: es ist zweifarbig. Im Bad wird fast jede zur Martha Stewart, deshalb herrschen dort meist zwei Farbtöne vor. Handtücher, Duschvorhang, Duschvorlagedings und manchmal sogar Wattestäbchen werden sorgfältig auf die Farbe der Fliessen abgestimmt. Die man sich leider nicht aussuchen kann, es sei denn, man ist Prinzessin und lebt in einem selbstgebauten Schloss. Ich erzähle das deshalb, weil mir gerade auffiel, wieviel Zeit man als Frau so im Bad verbringen muss, um einigermassen sauber gekämmt daherzukommmen. Sogar die Schneewittchens unter uns haben ab und zu dreckige Fingernägel, die brauchen zwar keine Wimperntusche, aber waschen müssen die sich auch. Ich spreche auch gar nicht vom Farbtopf, ich spreche nur von den ganz normalen Wartungsarbeiten. Wie das dauert! Was das kostet! Dabei gehöre ich noch zum Team Dusche, also zur schnellen Variante. Vollbad kann ich nicht, ich wohne im 5. Stock eines Münchner Altbaus, es dauert ungefähr 7 Stunden, bis das Wasser in der Wanne wenigstens meinen Bauch bedeckt. Nach circa 3 Minuten wird mir dann schwummrig und ich muss zusehen, dass ich es auf die Couch schaffe, bevor ich kollabiere und die nächste Stunde unbrauchbar bin. Soviel Zeit habe ich nicht. Vor allem aber vermeide ich Vollbäder, weil ich nicht 3 Tage lang mit Tod durch Kreislaufversagen in meiner Badewanne liegen will, bis sich endlich mal jemand denkt 'seltsam, die wollte aber schon lang nicht mehr auf ein Bier'. Dann muss die Polizei meine Wohnungstür aufbrechen, und wie sieht das denn dann aus.
Waschen, Rasieren, Cremen, Feilen sind bitteschön das Mindeste. Seit ich unlängst einen ganzen Abend unrasierte Frauenbeine an Sommerrock ertragen musste bin ich auch zu keinerlei Diskussion mehr bereit, ich brauche meine Toleranz für andere Sachen. Ja, es dauert und ja, danach hat man noch nicht mal die Wangen rot oder die Wimpern schwarz, aber es ist trotzdem gut investierte Zeit. Muss ja nicht gleich heisses Wachs sein, eine frische Klinge tuts doch auch und vor allem nicht so weh. Oft gehört aber nie verstanden habe ich in diesem Zusammenhang übrigens, wieso man sich im Winter oder wenn grad kein Schatz da ist, nicht rasiert. Deshalb hier gleich nochmal: Warum? Warum nicht immer smoothe Beine, Kerl oder Winter ja oder nein? Ich muss mich schon sehr wundern, und ich gehöre ganz bestimmt nicht zu der Sorte Frau, die den ganzen Aufwand 'nur für sich selbst' betreibt. Warum sollte ich mich in 8cm Absätzen durch den Tag quälen, wenn mir eh schon dauernd der Bus vor der Nase davonfährt? Schonmal im Bleistiftrock auf ein Moutainbike gestiegen? Das geht andererseits erstaunlich leicht, es darf einem halt nur nichts ausmachen, dass sich die ganze Nachbarschaft den Rest des Tages darüber unterhält, was man so drunter trägt: 'So sieht die gar nicht aus!' Ich mache das natürlich nicht, um nur mir selbst zu gefallen, ich mache das selbstverständlich, wie die meisten Frauen, für die anderen Weiber da draussen. Nur die wissen ein sauber gestyltes Outfit zu schätzen oder aber können still in sich rein 'kauf dir mal ne Haarkur' denken, wenn einem zum Beispiel weisse Leggings mit Puppenhandtasche in strohblond entgegenkommt. Machen wir uns nichts vor, Männer haben in der Beziehung zwar Augen aber keine Ahnung, sie erkennen den Unterschied zwischen Marc Jacobs und Pimkie nicht, manchmal glauben sie sogar, man sei ungeschminkt. Allein in die Schuhmode mischen sie sich neuerdings ein, wie ich höre kommen Ballerinas nicht so super an. Na! Das nenn ich mal Überraschung! Muss wirklich gerätselt werden, warum einem Mann Stilettos besser gefallen? Ich sage nein, und gebe der Männerwelt in einem weiteren Punkt recht: Man sollte schon ein bisschen auf den Gang achten, allerdings gilt das sowohl für Flipflops als auch für ab 6cm. So, wie man auf Absätzen nicht trampeln darf als würde man andauernd eine 10cm Stufe übersehen, so wenig darf man daherschlurfen, nur weil man was Bequemes anhat. Mit ein bisschen Konzentration läuft es sich selbst in Flipflops elegant. Haltung und Hüftschwung, Schwestern.
Auch schwierig: Frisuren. Haare waren schon immer das grünere Gras und werden es immer sein. Der Glaube, Kurzhaarschnitte seien pflegeleichter ist übrigens völlig falsch und liegt in den internationalen Irrtümercharts gleich hinter 'schlimmer kann es nicht kommen'. Es kann natürlich! noch schlimmer kommen, und nie hatte ich zerstörendere bad hair days als mit Kurzhaarschnitten, man muss ja nur aufwachen und schon ist alles zu spät. Ausserdem braucht es Tonnen von Stylingprodukten, die z.B. 'Rockhard' heissen oder ähnlich blöd, durch sowas will kein Kerl mehr zärtlich wuscheln. Lange Haare sind sehr viel einfacher, man wurschtelt morgens schlicht alles am Oberkopf zusammen und schlägt die Tür hinter sich zu (vorher kucken, ob der Herd aus ist!) Ab und zu wäscht und föhnt und lockenstabt man rum, weil man am Vorabend die Pantene Pro V Frau nicht schnell genug weggezappt hat. Dann trägt man offen, und zwar nur, um sich eine Stunde später völlig entnervt wieder einen schlampigen Zopf zu binden. Nach drei Stunden erinnert man sich, dass man ja frischgewaschene Locken featured, lässt das Haar runter und rennt den Rest des Tages mit einem ausgeleierten Haargummi von H&M ums Handgelenk rum. Sowas schlägt übrigens die schönste Uhr und das hübscheste Armkettchen tot.
Noch schwieriger: Farbe. Im Gesicht. Ich lebe seit Jahren mit einem tiefsitzenden Douglasverkäuferin Trauma und wische mir deshalb jedesmal mit einem Kleenex die Hälfte des Make-ups wieder runter. Nur bei Nagellackfarben darf man ausholen, soll ich zugeben, dass ich ca. 20 bunte Fläschlein davon habe? Das habe ich aus New York mitgenommen, wo man sich nicht selbst drum kümmern muss, man braucht nur eine Mittagspause und 10 Dollar. Der Aufwand lohnt aber in jedem Fall auch selbstgemacht, lackierte Nägel auf der Tastatur schreiben schönere Geschichten, und 10 rote kleine Fussnägel auf Strasse oder Wiese machen auf der Stelle gute Laune. Es muss auch nicht unbedingt rot sein, nur halt nicht blau oder grün oder gar schwarz, ich möchte ja nicht aussehen, als sei mir ein Klavier auf den nackten Fuss gefallen. Ausserdem dauert es nur halb solange, wie immer gejammert wird. Nagellack trocknet am besten vor einem der zwei Schirme und erzähle mir keine, sie würde nicht irgendwann mal eine halbe Stunde vor dem Fernseher oder dem Laptop sitzen. Das glaubt Euch doch niemand.
Vermutlich könnte ich die ganzen Tiegelchen in einen oder zwei Porsche umtauschen. Brauche ich das wirklich alles? Ich meine ja, ich bin aber auch keine 22 mehr, Autos sind mir wurscht und auf einer einsamen Insel bin ich auch nicht gestrandet. Vermutlich erwähnte ich es schon einmal, aber ich verstehe diese einsame Insel Partysmalltalkfrage nicht. Ich brauche immer alle meine Sachen um mich rum, deshalb habe ich sie doch gekauft. Nur auf der einsamen Insel, auf der Insel bräuchte ich nichts, nichts würde ich mitnehmen, gar nichts. Ganz allein auf einer Insel würde ich zwei Tage aufs Meer schauen, dann kurz diese Ananasdiät testen, danach würde ich mir zur Probe ein Palmenblatt um die schlanken Hüften schlingen, scheisse scheisse scheisse denken und mich von der nächsten Klippe den Haien zum Diätfrass vorwerfen. Lebt man an Orten, wo sich die Menschen angezogen mit ipod und Digitalkamera in den ersten und letzten U-Bahn Wagon drängeln, dann ist gepflegt und frischgeduscht schon ein bisschen angenehmer. Dabei helfen Cremes, die kosten halt nur, aber an irgendwas muss man sich ja klammern. Es gibt Tiegelchen, die kosten 270 Euro, und es gibt sogar Tiegelchen, die kosten 770 Euro, kein Scheiss. Auf einem Flughafen bekam ich mal ein Pröbchen einer solchen Creme in die Hand gedrückt. Leider hatte ich gerade nicht alle beisammen und schmierte mir das pure Gold sogleich zum Testen auf den Handrücken, obwohl es meinen Teint wahrscheinlich 2 Wochen lang hätte erstrahlen lassen. Dafür war meine Hand den Rest des Tages zum Knutschen. Als ich vor kurzem ob meines Alters hysterisch zu werden drohte, schenkte mir C., ein sehr lieber Freund und Kollege, aus reinem Selbstschutz ein Wundermittel, dass ich des nächtens auf meine tiefen Falten auftragen sollte. Es besteht aus Diamantenstaub und kostet ungefähr 30.000 Euro. Ich tat wie mir befohlen, und stand am nächsten Morgen schreiend und C. verdammend vor dem Spiegel, denn mein Gesicht hing in Fetzen, Freddy Krüger nichts dagegen. Es war zwar gottlob nur das Zeug, das einen weissen Film gebildet hatte, der sich löste, aber Wunder konnte ich keine entdecken. Bald bleibt nur noch Gift. Leider hält auch Botox nicht so ganz, was es verspricht. Es zeigt sich zwar eine faltenfreie Stirn- und Mundpartie, bei näherem Hinsehen aber fällt einem der eigene Hals gnadenlos in den Rücken.
Ich für meinen Teil creme erstmal weiter. Es riecht gut und macht weich.